Wasser zieht sich durch fast das gesamte Werk von Carin Müller – ob als
Meer, Fluss oder Loch. Die Bestsellerautorin, gelernte Journalistin und
Podcasterin schreibt unter mehreren Pseudonymen, die sie selbst
liebevoll ihre „Autorinnen-WG“ nennt. Im Gespräch mit Jörg Baumhauer
erzählt sie, warum sie trotz ihrer Liebe zum Meer bewusst im Binnenland
lebt und wie aus ihrer Faszination für das Element ihr bislang
forderndster Roman entstand: die Geschichte einer Frau, die sich den
gefährlichsten Meerengen der Welt stellt.
Eine Autorinnen-WG mit vielen Stimmen
Unter dem Namen Charlotte McGregor schreibt Müller ihre erfolgreichste
Reihe, angesiedelt in einem fiktiven schottischen Dorf. Charlotte
Taylor, ihr erstes Pseudonym, ist inzwischen in Rente. Für ernstere
Stoffe steht Charlotte Tarnowski, benannt nach dem polnischen
Mädchennamen ihrer Großmutter. Unter diesem Namen erschien auch ihr
aktueller Roman über eine Frau, die sich der Ocean-Seven-Challenge
stellt: dem Durchschwimmen von sieben besonders gefährlichen Meerengen,
dem Pendant zu den Seven Summits im Bergsteigen.
Vom Warum eines extremen Vorhabens
Fasziniert von der Frage, was Menschen zu einem solchen Vorhaben treibt,
recherchierte Carin Müller intensiv, unter anderem über
Erfahrungsberichte realer Extremschwimmerinnen und -schwimmer. Eine
befriedigende Antwort auf das Warum fand sie dabei nicht – und machte
genau das zum Ausgangspunkt ihrer Geschichte. Ihre Protagonistin Sophie
beginnt die Challenge ausgerechnet am Todestag ihres Mannes und ihres
Sohnes, die bei einem Gewitter auf einem schottischen See ums Leben
kamen. Für Sophie wird das eiskalte, einsame Wasser zum Ort, an dem sie
mit ihrer Trauer ringt. Für Carin Müller selbst bleibt Wasser vor allem
eines: ein Sehnsuchtsort zwischen Freiheit und Respekt vor seiner Kraft
– am liebsten an den weiten Stränden der Nordsee, wo sie höchstens bis
zu den Knien hineingeht.






