Corona war schuld. In vielen Fällen eine Platitüde, bei Schwimmteichen, Naturpools und Gartengestaltung eher eine Gewissheit. Die Pandemie hat viele Menschen dazu veranlasst, sich mit Haus, Hof und Garten zu beschäftigen. Entstanden sind dabei viele neue Wassergärten. Doch der Boom ist Vergangenheit, genauso wie die Epidemie. Was nun? Können wir den Wassergarten reanimieren? 

Entsteht etwas Neues, nur weil das Alte schon lange existiert? Schwimmteiche sind schon seit längerer Zeit ein etablierter Bestandteil der Bäderkultur. Genauso wie die Wassergärten, die seit Jahrhunderten entweder ein Zeichen für persönliche Macht oder für Reichtum waren. Und in den letzten Jahrzehnten mit den Naturpools immer mehr zu einem Luxusprodukt gemacht haben. Allerdings haben wir durch Klimawandel, Wettbewerb und Pandemie einen Punkt erreicht, an dem der Wassergarten nur gedacht werden muss?

Betrachten wir das Produkt Schwimmteich aus der Sicht des Marketings: Der Produktlebenszyklus wird in die Phasen Einführung, Wachstum, Reife, Sättigung und Rückgang unterteilt. Wie lange ein Produkt in den einzelnen Phasen bleibt, ist unterschiedlich. In der Konsumgüterindustrie sind rund 65% der Neueinführungen nichts anderes als Renovierungen. Quasi alter Wein in neuen Schläuchen. Die Innovationen kommen in immer kürzeren Abständen, dank KI und datengetriebenen Recherchen. Schwimmteich und Naturpool sind wir mit Sicherheit in der Reifephase angekommen, nach Corona sogar und den Phasen Sättigung und Rückgang. Das missfällt der Branche.

Ein Relaunch ist angesagt. Doch zu welchem  Zweck? Unternehmen möchten und müssen Geld verdienen. Kultur braucht Geld, um ihre Aufgaben erfüllen zu können. Gärten sind Kultur, Geschichte und Produkt. Gartenkultur vereint Geschichte, Kultur und Unternehmertum. Wassergärten waren immer ein wichtiger Teil der Gartenkultur, in der ganzen Welt. Dank Kiesgärten und Automoovern haben die Wassergärten an Stellenwert verloren, denn sie sind pflegeintensiv, teuer und brauchen Platz. Doch die Zeiten ändern sich. Wir haben mit den Auswirkungen des Klimawandels zu kämpfen, heizen ihn mit großem Enthusiasmus immer weiter an. Wasser bekommt eine neue, andere Bedeutung, denn es wird teurer, seltener oder kommt in so großen Mengen, dass es massive Schäden nach sich zieht. Und plötzlich können Wassergärten, Schwimmteiche und Naturpools eine neue Aufgabe übernehmen.

Eingebunden in das System der Schwammstadt oder Schwammlandschaft können sie Wasser speichern, verzögert abführen, langfristig nutzbar machen und damit einen wertvollen gesellschaftlichen Beitrag leisten. Was muss dafür passieren? Es muss ein Recht auf Wasser geben, genauso wie es ein Recht gibt, vor Wasser geschützt zu werden. Wasser soll allgemein zugänglich bleiben, nicht nur verborgen hinter hohen Mauern wohlhabender Menschen. Die Gesellschaft muss ein Recht auf Wasser in der Öffentlichkeit haben, seien es Brunnen, Wasserspielplätze oder renaturierte Bäche. Die Biodiversität muss einen festen Platz in der Gestaltung von Wassergärten bekommen.

Dazu müssen wir umdenken, denn dieses Recht auf Wasser bedeutet auch Kosten für Städte, Kommunen und Länder. Wird der Wassergarten konsequent neu gedacht, dann bietet er mehr als eine Renovierung der Begrifflichkeit. Dann kann der Wassergarten 2.0 nachhaltig, individuell und gesellschaftlich zum festen Bestandteil der Kultur werden. Ansonsten bleiben Schwimmteich und Naturpool das, was sie heute sind: private Oasen.

Hat der Wassergarten mehr verdient, ist es Zeit für einen Wechsel?